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Aktualisiert am 28.01.02 21:28 - Redaktion


26.05.99 Predigt von Bischof Heinrich Bolleter

Thema: Proklamiert die Botschaft vom Heil in Jesus Christus, bis er kommt!

l'Evêque Heinrich Bolleter (9257 Byte)Das Motto der JK finden wir im 1. Korintherbrief 11, 26. Paulus berichtet dort über die Einsetzung des Abendmahles. Er zitiert die Einsetzungsworte Jesu einerseits mit der Aufforderung: "Das tut zu meinem Gedächtnis". Andrerseits fügt der Apostel selber bei: "Sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Wein trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt".

1. Das Motto bedeutet Umkehr zur Zukunft
Zwei Horizonte für den Auftrag sind uns gegeben: Der erste geht aus von der Erinnerung an den, der gekommen ist. Wir werden eingesetzt als Testamentsvollstrecker: "Solches tut zu meinem Gedächtnis!" Der zweite Horizont aber geht aus von dem, der kommt. Und lädt uns ein, die Botschaft vom Heil in Jesus Christus zu proklamieren," bis er kommt!"
Wir erkennen also in diesem Text zwei Grundhaltungen, welche wir auch in der Kirche finden: Die rückwärts gewandte Kirche oder vorwärts gewandte Kirche. Die Orientierung an dem, was war, oder die Orientierung an dem, was kommt. Die sich sorgende und ängstliche Kirche oder die hoffende Kirche. Die bewahrende Kirche oder die Kirche im Aufbruch.
Die Orientierung an dem, was war, ist meist stärker. Schon die Israeliten zog es zurück nach den Fleischtöpfen in Ägypten. Es fiel ihnen schwer, sich aufs verheissene Land, auf das Zukünftige, einzustellen. Unser Bedürfnis nach Sicherheit ist eben oft stärker als unsere vertrauensvolle Gewissheit, dass der Herr aus der Zukunft auf uns zukommt.
Das Konferenzmotto fordert von uns eine Umkehr zur Zukunft. Paulus lädt uns ein, eine zukunftsorientierte Kirche zu sein, weil der Herr aus der Zukunft auf uns zukommt.
Jesus sagte zu seinen Jüngern: "Wahrlich ich sage euch, ich werde vom Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken bis zu jenem Tage, wo ich es neu trinken werde in der Herrschaft Gottes" (Markus 14,25).
Seither lebt die Gemeinde dem Reiche Gottes entgegen. Das Herrenmahl wurde zum Mahl des kommenden Herrn. Wir erwarten sein Kommen. Wir sind auf die Zukunft ausgerichtet.
Umkehr zur Zukunft verlangt ein Ablegen der Vergangenheit:
Der Ballast der Vergangenheit ist in vielen Gemeinden ein Problem. Es gibt nicht nur Altlasten in unseren Kirchengebäuden sondern auch in unseren Beziehungen. Gott legt uns diese Lasten nicht auf. Wir wollen sie nicht loslassen, weil wir uns an der Vergangenheit orientieren. Altlasten machen unsere Gemeinden oft flügellahm. Vorurteile, Unversöhnlichkeit und fehlender Mut, um Vergebung zu bitten, oder fehlende Demut, Vergebung anzunehmen, belasten oft den gemeinsamen Weg. Umkehr zur Zukunft bedeutet die Vergangenheit loszulassen. Wer Vergebung und Versöhnung lebt, der verkündigt den Tod des Herrn, bis dass er kommt.
Das Konferenzmotto ist eine Einladung zum Vorwärtsblicken und zum Ablegen der Altlasten.

2. Das Motto ist eine Einladung zum Bekennen
Proklamiert die Botschaft vom Heil in Jesus Christus, bis er kommt.
Meine Klassenkameraden hatten beschlossen, dass man nach der Schule Kirschen stehlen gehe. Sie hatten ausgerechnet den Baum im Garten meines Sonntagsschullehrers auserkoren. Einer musste Schmiere stehen. Ich meldete mich freiwillig. Kaum waren sie in den Baum geklettert begann ich zu schreien: Er kommt, er kommt! Alle machten sich so schnell wie möglich aus dem Staub und der Spuk des Kirschenstehlens war vorüber. Gut für mich und meine Beziehung zum Sonntagschullehrer; aber ein Bekenntnis war das nicht.
Vielfach wird die Botschaft von der Wiederkunft des Herrn genauso missbraucht. Man sagt den Frommen, passt auf er kommt! Und damit hilft man vielleicht ein Übel zu vermeiden, aber damit wissen die Betroffenen noch nicht, was Gnade ist. Verkündigt den Tod des Herrn, bis er kommt, bedeutet doch: Verkündigt die Gnade, die Erlösung, den Neuanfang, die in Jesu Tod und Auferstehung geschehen sind.
Wenn wir als EMK den Grundriss unserer Theologie "Gelebte Gnade" nennen (Walter Klaiber und Manfred Marquardt, Stuttgart 1993), dann meine ich, haben wir doch verstanden, was es heisst: Den Tod des Herrn verkündigen, bis er kommt.
Proklamiert die Botschaft vom Heil in Jesus Christus, bis er kommt! Lebt aus der Gnade und gebt sie weiter.
So einfach ist unser Auftrag und so klar!
Das Leben in der Kirche wird aber von vielen als Stress empfunden. Der Erwartungsdruck an die kirchlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist beständig gestiegen. Der Druck kommt weniger von aussen auf unsere Gemeinden. Der Druck ist hausgemacht und diffus. Jedenfalls erleben wir immer wieder Situationen, wo Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen diesen Druck der Erwartungen nicht mehr aushalten. Mit Zielfindungsprozessen und Gmeindeberatung versuchen wir die diffusen Erwartungen auf gemeinsame und überschaubare Ziele zu transformieren. Solche Schritte sollen uns helfen, zwischen illusionärer Selbstüberschätzung und unkreativer Selbstinfragestellung einen neuen Weg zu finden und zur getrosten Gewissheit zu gelangen, dass wir brauchbar sind? In der Theorie wissen wir, was gelebte Gnade ist. Wie aber geben wir dieser Gnade Raum in unseren Beziehungen, in unserem Ringen um die rechte Form des Gottesdienstes, in unserem Suchen nach Erfolgserlebnissen, in unseren Prozessen der Entscheidungsfindung?
Proklamiert die Botschaft vom Heil in Jesus Christus, bis er kommt! Das soll sich in unseren eigenen Reihen daran zeigen, wie wir miteinander umgehen.
Für unsren Auftrag in der Welt bedeutet es ein Dreifaches:
- Den Ruf zum Glauben persönlich weitergeben.
- Gemeinschaftsformen anbieten, in denen wir uns gegenseitig auf dem Weg der Nachfolge begleiten und stützen können.
- Die Kraft der schöpferischen Gnade so leben, dass sie sich auch in unserm Umfeld Gesellschaft) erneuernd und verändernd auswirkt.
Diese drei Dinge gehören zusammen und machen unsere methodistische Identität aus.
Das ist unser Bekenntnis, bis der Herr kommt.

3. Der aus der Zukunft kommende Herr

... il encourage à tenir bon.
Nous vivons dans un monde qui nous encourage peu. Même des politiciens luttent contre un pessimisme culturel. L'humanisation de la société a échoué. La guerre et la violence sont à l'ordre du jour. Il n'est pas étonnant qu'il se soit produit un renversement de notre manière de ressentir la vie : la foi dans le progrès a fait place au fatalisme. La peur s'empare des coeurs des hommes. Les chrétiens ne sont pas épargnés par ces peurs : « Dans le monde vous avez peur » - mais celui qui, de l'avenir, vient vers nous dit : « Ayez confiance, j'ai vaincu le monde ! »
Je voudrais dire spécialement aux femmes et aux hommes auxquels aujourd'hui nous conférons l'ordination : Sachez que c'est justement là où, au sein de votre ministère, vous êtes confrontés à des limites que le Seigneur de l'avenir vient vers vous et vous encourage à tenir bon.
L'avenir de l'Eglise n'est pas à chercher seulement auprès de nous les humains, mais d'abord et essentiellement auprès de celui qui est venu et qui vient.
En outre, le troisième millénaire est nommé selon une ancienne tradition « l'ère du Saint-Esprit ».
Vous avez le privilège de conduire les communautés dans cette ère. Que l'espérance dans le Seigneur et que l'esprit de son amour vous conduise dans votre ministère.

... Er ermutigt zum Durchhalten
Wir leben in einer Welt, die uns wenig ermutigt. Selbst Politiker kämpfen gegen den Kulturpessimismus. Die Humanisierung der Gesellschaft ist gescheitert. Krieg und Gewalt sind an der Tagesordnung. Wen wundert's, dass ein Umschlag des Lebensgefühls stattgefunden hat: Der Fortschrittsglaube weicht einem Fatalismus. Angst ergreift die Herzen der Menschen. Christen sind von dieser Angst nicht ausgenommen: In der Welt habt ihr Angst - aber der, welcher aus der Zukunft auf uns zukommt, spricht: Seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
In besonderer Weise möchte ich den Frauen und Männer, welche wir heute ordinieren zusprechen: Gerade dort, wo ihr im Dienst auf Grenzen stosst, sollt ihr wissen, dass der aus der Zukunft kommende Herr Euch zum Durchhalten ermutigt.
Die Zukunft der Kirche liegt nicht nur bei uns Menschen sondern zuerst und zuletzt bei dem, der gekommen ist und der kommt.
Übrigens wird das 3. Jahrtausend in alter Tradition das Zeitalter des hl. Geistes genannt. Ihr dürft die Gemeinden in dieses Zeitalter hineinführen.
Lasst Euch im Dienst von der Hoffnung auf den Herrn und vom Geist seiner Liebe leiten.

... er gibt uns Raum und Zeit zur Kreativität
Alle Kirchen reden heute vom Geld, weil es knapper wird. Wir sollten einmal darauf achten, dass gerade in Zeiten, wo das Geld knapp war, viele neue Initiativen durch Christen gestartet wurden. Die Liebe hat sich mit der Fantasie verbunden und diakonische Aufgaben wurden neu aufgenommen. Der Herr kommt aus der Zukunft auf uns zu und gibt uns Raum und Zeit zur Kreativität. Christen müssten dort zu finden sein, wo man das Neue wagt.

... er macht Mut, zum Stückwerk
Wir sind alle Amateure. Ich knüpfe hier an der ursprünglichen Bedeutung dieses Begriffes an: Amateur heisst Liebhaber.
Wir sind Menschen, welche aus der Hingabe zu Christus leben. Wir sind seine Amateure. Er sagt ja zu unserm Stückwerk und hat die Möglichkeit es einmal zu vollenden. Der Herr, der aus der Zukunft auf uns zukommt, macht uns Mut zum Stückwerk.
Es geht heute um die Ordination von Menschen, Schwestern und Brüdern. Sie können nicht alle Erwartungen der Gemeinden erfüllen. Liebe Schwestern und Brüder, ich ermutige Euch im Namen Jesu: Steht zu eurer Unvollkommenheit und zu euren Grenzen. Wenn ihr wirkliche Amateure Jesu seid, wird er helfen, die Lücken durch andere Gaben und andere Menschen zu füllen.

... er lädt ein zur Verantwortung
Das heisst, wir werden ihm antworten müssen, wenn er kommt. An der Jährlichen Konferenz und in einzelnen Bezirken sind wir daran, ein zielorientiertes Arbeiten einzuüben. Arbeit auch mit neuen Zielsetzungen statt nur Konsolidierung des Bestehenden. Ihr, die ihr mit der Leitung der Gemeindebezirke beauftragt seid: Helft in den Gemeinden klare Ziele zu setzen und sie Stück um Stück gemeinsam zu verwirklichen. Achtet darauf, dass ihr nicht nur die Gemeindebedürfnisse befriedigt, sondern wirkt mit euren Zielsetzungen auch in die Gesellschaft hinein als die treuen Haushalter der mannigfachen Gnade Gottes.

... er lädt ein, auf den Kairos zu achten
Geistliche Führer sind nicht einfach jene Personen, welche gut informiert sind über die brennenden Probleme unserer Tage, oder die neuesten Bücher über Gemeindeaufbau gelesen haben. Geistliche Führer sind Menschen, welche tief verwurzelt sind im fleischgewordenen Wort, Jesus Christus, und aus dieser Beziehung heraus auch auf den Kairos achten, das heisst auf die von Gott gegebene Stunde. Unser Laienprediger N.N., der die drei Gemeinden im Kosovo verloren hat durch die Vertreibung, und der heute in Albanien lebt, sitzt nicht im Flüchtlingslage und beklagt sein Schicksal. Er weiss um den Kairos, den Gott ihm gegeben hat, eine neue Gemeinde unter den Flüchtlingen aufzubauen. Verkündigt das Heil in Christus, bis er kommt.
Der aus der Zukunft auf uns zukommende Herr zeigt uns auch den Kairos für unseren Dienst.

Ich komme zum Schluss:
Wir erfahren viel Ermutigung und Wegweisung vom Herrn, der aus der Zukunft auf uns zukommt, wenn wir offen sind für seine Zukunft.
Wir sind eingeladen eine zukunftsorientierte Kirche zu sein.
Wir sind eingeladen das Heil in Jesus Christus zu proklamieren durch gelebte Gnade. Das ist unser Zeugnis.
Bis er kommt!
Und ich füge ein Zitat von Kurt Marti bei. "Die Herren dieser Welt kommen und gehen... ja, sie kommen und gehen! aber unser Herr kommt!"

Amen.

Bischof Heinrich Bolleter

Quelle: Bischof Heirich Bolleter