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Eglise Evangélique Méthodiste Suisse/France

Evangelisch-methodistischen Kirche
EMK Schweiz - Frankreich

 

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Den folgenden Text als Winword2000-Datei (81 KB) oder als PDF-Datei (139 KB)


Bericht der Distriktsvorsteher an die JK 2000

1.  „Siehe, ich mache alles neu“

Wer unvoreingenommen unsere Kirche beobachtet, wird vieles entdecken, das sich in der letzten Zeit im Leben der Gemeinden und der Kirche verändert hat. Wird darin Gott erkennbar, der mitten unter uns Neues macht? Ist er daran, alles neu zu machen, wie es im Konferenzthema heisst? Wie weit Gott die erneuernde Kraft ist, die in diesem Neuen unter uns zum Wirken kommt, muss vorerst offen bleiben. Klar feststellbar ist aber, dass wir vieles anders anpacken als vor wenigen Jahren. Wir machen vieles neu.

 

1.1    Was wir  neu machen

1.1.1      Die Liste der Veränderungen ist beachtlich:

In vielen Gemeinden hat sich die Gestaltung des Gottesdienstes verändert, mit vermehrtem Mitwirken von Gemeindegliedern und mit einer neuen Singkultur. Vermehrt werden offene Gottesdienstformen entwickelt, z.B. Gäste- oder Bistro-Gottesdienste. Die Leitung der Gemeinde vollzieht sich in neuen Strukturen. Leitbilder und Ziele werden formuliert. Die Kinder- und Jugendarbeit wird auf der Grundlage des Takano-Konzeptes neu gestaltet. Sozial-diakonische Aufgaben werden angepackt, als jüngstes Projekt in diesem Bereich die Grossfamilie Ghangetwies. Für kirchenferne Menschen werden Angebote gemacht wie der Alpha-Kurs.

Auch auf gesamtkirchlicher Ebene sind neue Initiativen entstanden: Die Arbeitsgruppe „Neue Gemeinden“, Das „Projekt Chi“, als Modell einer stärker nach aussen gerichteten Gemeindearbeit. Vorstösse der Werke, um mit ihren speziellen Möglichkeiten der Kirche ferne Menschen anzusprechen (geistliche Leitung Viktoria, alfa Horizonte). Weiter sind die schon länger bestehenden Arbeitsgruppen „Geistliche Gemeindeerneuerung“ und „Begeistert leben“ zu nennen.

Sicher ist diese Aufzählung unvollständig. Sie kann beliebig verlängert werden.

Die neuen Initiativen zeigen: Es ist vielerorts ein Wille zum Aufbruch da. Eine positive Schaffenskraft ist sichtbar, grosse Einsatzbereitschaft sowie viel Liebe zur Gemeinde und zur Sache des Evangeliums. Eine Erneuerung hat begonnen. Dieser Wille zur Erneuerung und die dahinter stehende Kraft ist ein Potential, das für die Zukunft der Kirche noch vielfältig ausschöpfbar sein wird und das der Kirche Zukunft gibt.

 

1.1.2      Wo Veränderungen stattfinden, geht das meistens nicht ohne Spannungen.

Das ist auch in unserer Kirche so. Unsere Vorstellungen und Bedürfnisse sind oft zu verschieden. Leider gehen bei dem Streit um „den richtigen Weg“ in vielen Gemeinden in unnötiger Weise Kräfte verloren. Da ist eine gute Streitkultur wichtig. Es darf nicht um Sieg oder Niederlage gehen. Die einzelnen unterschiedlichen Empfindungen und Bedürfnisse dürfen nicht gewertet oder gegen einander ausgespielt werden. Meistens bewegen wir uns im Streit in einem falschen Entweder – Oder. Was wir als sich ausschliessende Alternativen verstehen, sind Dinge, die einander eigentlich unverzichtbare Ergänzung sind. In der Dienstgemeinschaft der vollzeitlich Mitarbeitenden haben wir an der Pfarrerversammlung im Herbst 1999 wohltuende Beispiele des offenen Umgangs  miteinander erlebt. Die Unterschiedlichkeit unter uns haben wir als bereichernde Vielfalt entdeckt, in der wir einander ergänzen.

In allen Auseinandersetzungen muss zudem die leitende Frage die sein: Was hilft dem einzelnen Menschen, ob er nun schon länger zu uns gehört oder noch gar nicht, dass das Evangelium bei ihm Fuss fassen und sein Leben mehr und mehr verwandeln kann? Es ist wichtig, von diesem Grundgedanken her in offene gemeinsame Prozesse hineinzugehen, ohne Verlustängste, aber als von Christus Getragene.

 

1.1.3      Die Haltung des Kabinetts zu den Erneuerungsbemühungen

ist verschiedentlich zum Ausdruck gekommen, zum Beispiel in den Berichten an die Jährliche Konferenz der vergangenen Jahre. Es ist dem Kabinett klar: Wenn wir als Kirche nicht nur für uns selbst da sein wollen, sondern verstärkt auch für Menschen, die Christus noch nicht kennen, müssen wir dringend neue Formen und Gefässe der Gemeindearbeit finden. Jede Erfahrung, die wir auf diesem Gebiet machen, auch wenn etwas misslingt, bringt uns weiter.

Als Zielrichtung für die Erneuerung sehen wir den Satz aus dem Bericht der Distriktsvorsteher an die Jährliche Konferenz 1997: „Bis in 4 Jahren soll die Hälfte aller Angebote in unseren Gemeinden konsequent nicht von unseren eigenen Bedürfnissen her entwickelt und von unsrem kirchlichen Stil geprägt sein. Die Angebote sollen von den Fragen der Menschen unserer Zeit her entwickelt und in den ihnen zugänglichen Formen gestaltet sein.“ Dieser Satz steht in der Linie des älteren und berühmteren Satzes von John Wesley: „Die Welt ist mein Kirchspiel“. Nicht die bestehende Gemeinde ist unser Arbeitsfeld, sondern die Welt, die noch nicht zur Gemeinde gehört. Wenn wir die Arbeit auf dieses Feld bezogen gestalten wollen, werden wir vieles neu anpacken müssen!

Als Kabinett hoffen wir, dass die Bemühungen um Erneuerung ganz im Ringen um diese Welt begründet sind, die ohne Christus haltlos und an sich selbst verloren ist. Wir hoffen, dass es sich bei diesen Aktivitäten nicht etwa nur um Angsttriebe einer um ihre eigene Existenz kämpfenden Kirche handelt.

Bei allem Engagement für das Ziel, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen kommen wir aber nicht darum herum, als ganze Kirche und als einzelne Gemeinden Schwerpunkte zu setzen. Nicht für alles, was wünschbar ist haben wir die finanziellen und personellen Ressourcen. Wenn wir am einen Ort. Schwerpunkte setzen, bedeutet das meist, an einem anderen Ort bewusst zu verzichten oder einen Mangel in Kauf zu nehmen. Wir müssen abwägen und uns entscheiden! Dabei darf der Bedarf, Bestehendes zu pflegen, nicht zum einzigen Argument werden, mit dem die Wünsche, Kräfte für Neues einzusetzen, abgeschmettert werden. Andererseits hat etwas, das mit dem Prädikat „neu“ aufwartet, nicht allein deshalb schon zwingenden Anspruch auf Priorität. Als Kabinett haben wir die Haltung, dass uns die Sorge um das Ganze der Kirche anvertraut ist, das bisheriges Leben und neue Ansätze umfasst.

 

1.2    Was Gott  neu macht

Ist das Neue, das von uns gemacht wird, nun auch das von Gott gewirkte Neue? Das von Gott gewirkte Neue ist mehr als nur „etwas anderes als bisher“. Das besondere des von Gott Gewirkten ist, dass es eine neue innere Qualität hat. Es wächst aus dem heraus, was Gott als neues Element in das Leben eines Menschen legt. Es wächst aus seiner Liebe, mit der er uns umgibt und die nun unsere innerste Identität ausmacht. Es wächst aus dem Wissen um seine Treue, in der er mit uns ist, und die uns seine Zukunft eröffnet. Es wächst heraus, wenn Menschen die Einladung zum Vertrauen annehmen und sich völlig auf ihn verlassen. Dieses Neue, das Gott in uns legt, befreit von der Sorge um sich selbst. Und es befreit dazu, sich die empfangene Gottesliebe zu eigen zu machen und zum Massstab für das eigene Verhalten. Wenn das, was wir tun, aus dieser neuen inneren Qualität heraus geschieht, dann ist es das Neue, das Gott wirkt, egal ob es nun in alten, bisherigen, oder in neuen, veränderten Formen daherkommt.

Gott stösst unter uns das Neue an, indem er Menschen befreit zum in der Liebe tätigen Glauben. Dieses neue Schaffen Gottes ist unter uns sichtbar und erlebbar. Wir sind überzeugt, dass dieses erneuernde Wirken Gottes kraftvoll weiter geht und noch viel Gutes hervor bringen wird, manches bestimmt auch in neuen und veränderten Formen. Das erneuernde Handeln Gottes ist unter uns wirksam, bis es einmal alles zur Vollendung gebracht haben wird.

Seht, er macht alles neu!

2.        Kirche sein in den Fragestellungen der heutigen Gesellschaft

Ob Neues, Verändertes auch das Bessere ist, hängt von oben beschriebenen Zusammenhängen ab:

·       Dass es aus der von Gott gewirkten, im Glauben gegründeten Liebe herauskommt,

·       und dass es auf die Menschen von heute bezogen ist.

Auf das letztere Kriterium sei hier noch näher eingegangen.

Wenn das, was Kirche ist und lebt, einen Bezug zum Menschen haben soll, muss es auch die gesellschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigen, in denen sich die Menschen heute befinden. Es ist wichtig, wach zu sein und aktuelle gesellschaftliche Veränderungen und Fragestellungen wahrzunehmen. Denn das Evangelium will die Menschen genau da treffen, wo sie sich befinden. Kirche darf nicht hintennach hinken und erst auf Entwicklungen reagieren, wenn sie längst vorbei sind.

Von den ersten Methodisten Nordamerikas wird berichtet, dass sie mit den Siedlern auf ihrem Zug nach Westen mitgegangen sind und von Anfang an präsent waren, wenn an einem Ort eine neue Siedlung entstand. Auf gleiche Weise müssen wir die neuen Gebiete wahrnehmen, in die hinein sich unsere Gesellschaft bewegt, um von Anfang an präsent zu sein im „Wilden Westen“ unserer Gesellschaft, und um dort das Evangelium zur Geltung bringen zu können! Denn dorthin gehört das Evangelium.

Vier aktuelle Fragestellungen der heutigen Gesellschaft greifen wir heraus.

 

2.1    Die Frage nach Werten und Orientierung

Wo heute überhaupt noch Erwartungen an die Kirche formuliert werden, steht die eine meist zuvorderst: Die Kirche ist zuständig für die ethischen Werte. Sie soll der Gesellschaft die Werte als Grundlage für ihr Handeln in Politik und Wirtschaft liefern. Die Kirche hat hier tatsächlich Wesentliches zu sagen. Denken wir nur an den Wert der Liebe zum Menschen und des Einsatzes dafür, dass sein Leben sich entfalten kann. Oder denken wir an das wichtige Anliegen der Gleichwertigkeit aller Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Alter oder sozialer Stellung. Diese und andere in der Bibel begründeten Werte haben wir laut ins Gespräch zu bringen, dass sie inmitten der anderen lauten Stimmen gehört werden. Mittel dazu sind nicht nur die dafür eingesetzten gesamtkirchlichen Ausschüsse, allen voran unser Ausschuss für Soziale Fragen, oder unsere sozialen Grundsätze, in denen sich die Kirche zu allen wichtigen gegenwärtigen sozialen und ethischen Fragestellungen äussert. Mittel dazu sind in starkem Masse auch die einzelnen Christen in ihren Äusserungen und in ihrem alltäglichen Verhalten.

Die Kirche hat aber der Gesellschaft gegenüber nicht nur im Blick auf ethische Fragestellungen etwas zu sagen. Ihr eigentliches Gebiet ist die Frage nach Gott. Es gehört zum Kern ihres Auftrages, die Gottesfrage in der Gesellschaft zur Geltung zu bringen, zur „Begegnung mit dem Heiligen“ zu ermutigen und zum Glauben an Gott zu rufen. Die Kirche darf sich nicht in einer eigenartigen „Selbstsäkularisierung“ nur in ethischen und moralischen Appellen vernehmen lassen, auch wenn ihr dieser Platz gerne zugewiesen wird. Die Kirche hat das ihr ureigene in die Mitte zu stellen.

Allerdings hat die Kirche dabei darauf zu achten, dass sich der „Bezug zum Heiligen“ nicht auf etwas gedankliches, intellektuell erfahrbares beschränkt. Der Bezug zum Heiligen muss existentiell erfahrbar sein, mit allen Sinnen und im konkreten Lebensvollzug. Viele Menschen sehnen sich nach spirituellen Erfahrungen, nach Kontakt mit Kräften, die hinter dem sichtbaren, materiellen stehen. Sie finden dazu ein fast unübersehbares, bunt schillerndes Angebot an Möglichkeiten auf dem religiös-esoterischen Markt. Sie geraten dabei nur all zu oft in Abhängigkeiten und Zwänge und nehmen seelisch Schaden. Dem gegenüber haben wir einen reichen Schatz an in der Bibel begründeten und in der Tradition bewährten spirituellen Erfahrungen, auch in unserer kirchlichen Tradition. Wesley hat einige davon unter dem Begriff „Gnadenmittel“ zusammengefasst. Diese Formen der gelebten Spiritualität haben wir für heutige Menschen fruchtbar zu machen als Möglichkeit, im praktischen Leben mit dem Heiligen Gott und der alles tragenden Kraft in Verbindung zu leben und den vom Schöpfer mitgegebenen Lebenssinn zu finden. Wir haben hier etwas ganz besonderes anvertraut, das Menschen auf der Suche nach der Orientierung für das Leben entscheidend helfen kann.

 

2.2    Die Frage nach der lebensfähigen Gestalt gemeinsamen Lebens.

Die immer stärker werdende Individualisierung unseres Lebens weckt bei vielen Menschen das starke Bedürfnis nach einer tragenden Gemeinschaft. Viele finden sie in vereinnahmenden Gruppierungen. Oder sie bleiben allein, auf sich selbst gestellt, in der Vereinsamung. Das tut dem Menschen bekanntlich nicht gut. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. In Bezug auf die menschliche Gemeinschaft haben die Christen wertvolles beizutragen. Sie kennen ein Modell von Gemeinschaft, das unserer individualisierten Gesellschaft entscheidende Impulse geben kann.. Stichworte dazu sind:

 

·       Verantwortlicher Gebrauch der Freiheit.

Nicht alles, was wir dürfen, ist auch nützlich und sinnvoll. Wenn es anderen schadet, schöpfen wir unsere Freiheit nicht aus.

·       Sozialität als neuen Wert erkennen.

Hier könnte die Frage der Mitgliedschaft neue Bedeutung erhalten. Sich bewusst in eine Gemeinschaft zu geben kann ein Beispiel sein, das die Gesellschaft herausfordert. Die Frage ist, wie wir den Wert der Mitgliedschaft wieder neu bewusst machen und auch fördern können. Grossverteiler und Banken verteilen Pluspunkte, wenn man bei ihnen dabei ist. Solche Pluspunkte muss es auch bei uns geben. Einige sind bestimmt da, andere müssen neu geschaffen werden. Vielleicht hilft nur schon das Begehen von Jubiläumstagen der Mitgliedschaft. Dies könnte ein erster, zeichenhafter Schritt sein, der ganz allgemein zum Aufbau einer neuen Kultur der Wertschätzung der Mitgliedschaft führt. Es soll so sein, dass jedem klar ist: Ich verpasse etwas, wenn ich in der EMK nicht Mitglied bin.

·       Um der Gemeinschaft willen auf persönliche Privilegien und Freiheiten verzichten.

Unser Dienstzuweisungssystem ist ein Beispiel für einen solchen Verzicht. Für die Wahl des einem Pfarrer passenden Dienstortes oder der einer Gemeinde zusagenden Person lassen wir die Interessen und Bedürfnisse des Ganzen als stark mitentscheidende Kriterien gelten. Wo wir das bewusst leben, wird es zu einer Herausforderung für eine Gesellschaft, in der jeder auf seine eigenen Interessen fixiert ist. In Bezug auf die Handhabung des Dienstzuweisungsystems lässt sich gewiss einiges diskutieren. Da sind wir als Kabinett in einem laufenden Prozess der Optimierung, was die Evaluation und Kommunikation betrifft, nicht zuletzt aufgrund jüngster Reaktionen aus Gemeinden. Wir meinen aber, dass der Kern des Dienstzuweisungssystems als Herausforderung stehen bleiben soll, als Teil der gemeinsamen Sorge für das Ganze der Kirche und als „Skandalon“ für uns und für die Gesellschaft.

·       Verschiedenheit und Vielfalt als Bereicherung und Ergänzung verstehen, sie bewusst ertragen und sogar gestalten.

Nicht zuletzt kann hier das gottesdienstliche Feiern Modell dafür sein, wie von einer gemeinsamen Mitte her die Vielfalt gelebt und gestaltet werden kann. Auf Interessengruppen individuell zugeschnittene Gottesdienste haben im Blick auf das Erreichen von Aussenstehenden eine wichtige Funktion. Im Blick auf das Feiern als Gemeinde der Glaubenden stehen sie aber im Widerspruch zu einem Glauben, der zusammenführt und in versöhnter Vielfalt leben lässt.

·       Entwickeln einer „Kultur der Anteilnahme und des Helfens“.

Es ist eindrücklich, wie gut das in manchen Gemeinden funktioniert und als tragendes, stark ausstrahlendes Element der Gemeinschaft auch von aussen wahrgenommen wird. Weiter so!

 

·       Entwickeln einer „Kultur der gegenseitigen Achtung und Wertschätzung“.

Im Bezug auf einen sorgfältigen Umgang miteinander haben wir wohl noch viel zu lernen. Verantwortungsloses Geschwätz, vorschnelles Urteilen, ohne Hintergründe zu kennen, Schubladendenken, Geringschätzung des anderen und dessen, was er denkt, weiss, fühlt und erlebt, das sind Dinge, die in unseren Gemeinden noch zu oft verbreitet sind.

Die christliche Gemeinde kann in einer nach Gemeinschaft lechzenden Gesellschaft ein Modell sein für eine hilfreiche, tragfähige Gestalt des gemeinsamen Lebens,  ein Modell, das wie ein Sauerteig wirkt und die Gesellschaft durchdringt und verändert.

 

2.3    Die Frage der neuen Kommunikationsmittel

Das neue Jahrtausend wurde schon als „Jahrtausend der Kommunikation“ bezeichnet. Die Entwicklung im Bereich der Kommunikationsmittel ist rasant. Wir können die negativen Seiten dieser Entwicklung beklagen:

·       den Ausschluss all derer, die sich den Anschluss an die neuen Medien nicht leisten können

·       die Überflutung mit Information und mit Reizen

·       die Gefahr des Missbrauchs zu kriminellen, rassistischen, pornographischen und okkulten Zwecken

·       die Verkommerzialisierung des Lebens.

Ängstlich und passiv beobachten hilft aber niemandem. Die neuen Kommunikationsmittel bieten uns viele Möglichkeiten, die wir uns zu Nutze machen können. Sie liegen als Feld vor uns, in das wir uns aktiv und mutig hinein begeben können. Gute Anfänge sind gemacht mit einer erstaunlichen Präsenz im Internet. Mit der Einrichtung eines Chat-Rooms durch die Jungschar ist die Jugend pionierhaft vorausgegangen. Die grosse Gefahr besteht aber, dass wir qualitativ sehr bald überrollt werden, wenn wir im Medienbereich nicht ein wichtiges Aufgabenfeld erkennen.

Folgende Kriterien könnten hilfreich sein, wenn wir uns im neuen Feld bewegen:

·       Was dient unserem Auftrag?

·       Wie erreichen wir grösstmögliche Transparenz und Verständlichkeit?

·       Wie finden wir die nötigen Kräfte und nutzen vorhandene?

·       Was ist finanziell machbar?

Darüber hinaus wird die seelsorgerliche Wahrnehmung und Begleitung der Menschen in der anonymen Kommunikationsgesellschaft eine wichtige Bedeutung haben. Perfekteste Kommunikationsmittel werden die persönliche Begegnung von Mensch zu Mensch nie ersetzen können, sondern sie nur um so notwendiger machen. Hier haben wir mit unseren von persönlichen Beziehungen und Begegnungen geprägten Gemeinden ein hervorragendes Angebot für die Menschen unserer Zeit bereit.

 

2.4    Die Frage der Globalisierung und Vernetzung

Dass unsere Welt ein grosses Dorf ist, in dem alles voneinander abhängig geworden und miteinander verbunden ist, macht vielen Angst. Verbundenheit und Vernetzung ist aber nichts Neues. Die Kirche war schon immer global. Die starke Verbundenheit des einzelnen Teils in einem grösseren Ganzen ist eine Eigenheit, die unsere Kirche besonders prägt. Wir umschreiben es mit dem Begriff der „Connexio“. Auch in unseren Reihen wird da und dort die Verbundenheit mit einem grösseren Ganzen als Belastung erlebt. Deshalb stellen wir hier die positiven Aspekte der Verbundenheit wieder einmal in den Mittelpunkt:

·       Es gibt Aufgaben, die man nur gemeinsam oder gemeinsam doch viel besser lösen kann. Es braucht das Miteinander.

·       Es können sich nicht alle gleichmässig stark in jedem einzelnen der vielen kirchlichen Handlungsfelder bewegen. Es braucht die Ergänzung und Delegation.

·       Erfahrungen und Ressourcen des Ganzen können für das Einzelne fruchtbar gemacht werden, zum Beispiel in der Schulung, in der Bereitstellung der Grundlagen für die Kinder- und Jugendarbeit, in der Begleitung von Prozessen durch den Distriktsvorsteher, die Schulungsbeauftragten oder Gemeindeberater.

·       Das grössere Ganze ist ein Netz, welches das Kleinere, Schwächere trägt. Durststrecken können überbrückt werden, bis die Zeit für einen „neuen Frühling“ wider da ist.

Die Jährliche Konferenz hat in ihrer Auftragsbeschreibung die Stärkung der Gemeinden für ihren Dienst und Auftrag als zentrales Anliegen festgehalten. Die Gesamtkirche ist für die Gemeinden da! Das Stichwort „Gesamtkirche“ ist unter uns oft negativ besetzt. Wir wünschen uns, dass die Gesamtkirche wieder vermehrt mit positiven Gedanken verbunden wird, dass sie verstanden wird als das, was sie ist: als Angebot, als Hilfe und Ergänzung. Damit sie das sein kann, muss man sich aber zu ihr stellen.

Auch hier könnte die Art, wie wir als Kirche Verbundenheit bewusst leben und gestalten, für die Gesellschaft als Modell dafür dienen, was Globalisierung und Vernetzung positiv sein kann.

 

3.       Schlaglichter auf aktuelle Bereiche des kirchlichen Unterwegsseins:

3.1  Bemerkungen zu den Leitbildern

Erfreulich viele Gemeindebezirke haben in jüngster Zeit an Leitbildern gearbeitet. Auf dem Berner Distrikt zum Beispiel ist es ziemlich genau die Hälfte der Bezirke, die über ein aktuelles Leitbild verfügt. Diese Leitbilder sagen sehr viel aus über unsere Gemeinden. Eine eingehende Untersuchung der Leitbilder wäre ein lohnendes Studienprojekt, das noch darauf wartet, angepackt zu werden. Welche theologischen Schwerpunkte und Konzeptionen nehmen die Leitbilder auf? Wie weit sind Akzente aus der methodistischen Tradition aufgenommen und welche? Welche Selbstbilder lassen sich hinter den Leitbildern erkennen?

Einige Bemerkungen zu den Leitbildern möchten wir aber hier schon machen:

·       Die vor drei Jahren gemachte und oben schon erwähnte Anregung, des Kabinetts, sich bezüglich Aussenorientierung klare Ziele zu setzten, wurde in der konkret gemachten Form nirgends aufgenommen. Warum eigentlich nicht? Gibt es irgend ein Argument, das sagt, dass es nicht gut wäre, sich dieses Ziel zu setzen? Oder liegt es daran, dass ein solches Ziel hohe Ansprüche hat und wenig bequem ist? Provozierend möchten wir hier sagen: Wenn keine stichhaltigen Gegenargumente vorliegen, sollte jede Gemeinde das Ziel der Aussenorientierung ausdrücklich so aufnehmen, wie wir es vorgeschlagen haben!

·       Da und dort enthalten die Leitbilder konkrete Zielsetzungen, zum Beispiel welche Zielgruppe man besonders erreichen will. Meistens sind die Leitbilder aber noch zu allgemein gehaltene Absichtserklärungen. Sie bedürfen der intensiven Weiterarbeit und Konkretisierung.

·       Oft sind die Leitbilder zu wenig spezifisch. Die Besonderheiten der jeweiligen Gemeinde mit den speziellen ihr gegebenen Möglichkeiten und den Herausforderungen um sie herum kommen zu wenig zum Tragen. Es werden allgemeingültige Selbstverständlichkeiten formuliert. So sind die Leitbilder fast austauschbar und könnten für irgend eine andere Gemeinde genau gleich gelten. Wir wünschen uns Leitbilder, die das Allgemeingültige vielleicht in einer Präambel aufnehmen, dann aber das Besondere festhalten, das eine Gemeinde sein und leben will. Die Menschen, die man in einer EMK-Gemeinde sammelt, müssen wissen, aufgrund welcher Besonderheiten sie gerade zu dieser Gemeinde und nicht zu einer anderen gehören sollen. Eine wichtige Funktion eines Leitbildes ist, dass es die „Einzigartigkeits-Merkmale“ einer Gemeinde festhält.

·       Trotz diesen kritischen Bemerkungen zu den Leitbildern möchten wir festhalten, dass der Prozess der Erarbeitung eines Leitbildes einen unschätzbaren Wert für eine Gemeinde hat. Wir stellen eine Reihe von positiven Wirkungen fest, wo eine Gemeinde ein Leitbild erarbeitet hat.

 

1. Klärende Prozesse werden ausgelöst.

Leitbildprozesse helfen, Beziehungen zu klären, sie fördern Offenheit und Transparenz für einander. Leitbildprozesse zwingen dazu, klare Antworten auf anstehende Fragen zu geben, man kann ihnen schwer ausweichen. „Der Prozess war das Wesentliche, nicht das Ergebnis, das auf dem Papier steht“, so war es an einer Bezirksversammlung zu hören.

Manchmal brechen an Leitbildfragen auch latent vorhandene Konflikte auf, die schon längst hätten angegangen werden sollen. Das ist zwar schmerzlich und kann dazu führen, dass Wege auseinander gehen, aber es ist nötig, damit Blockierungen endlich gelöst werden.

2. Die Identität wird gestärkt.

Die Gemeinden, die ein Leitbild haben, wissen besser, wer sie sind und was sie wollen. Sie haben ein besseres Wir-Gefühl. Das macht eine Gemeinde anziehender. Irgendwie spürt man in Gemeinden mit einem Leitbild eine stärkere Verbundenheit der Menschen mit der Gemeinde und eine bessere Identifizierung mit ihr.

3. Eine Leitlinie ist da, nach der man sich richten kann.

Gemeinden mit einem Leitbild haben einen Massstab, nach dem sich alles ausrichten kann. Ein Leitbild bringt einen guten roten Faden in das Gemeindeleben. In kontroversen Diskussionen ergeben sich durch den Verweis auf das Leitbild oft klare Entscheidungsgrundlagen.

4. Eine Visitenkarte ist vorhanden

Gemeinden, die ein Leitbild haben, geben nach aussen hin ein besseres Bild ab. Selbst dann, wenn sie das Leitbild als internes Arbeitsinstrument gedacht haben und wenn es gar nicht für Aussenstehende formuliert und auf Papier gebracht worden ist, ist es eine heimliche Visitenkarte. Es verbessert die Art, in der sich eine Gemeinde darstellt und von aussen wahrgenommen wird.

 

3.2    Die Beziehung zu den selbständigen Werken

Seit einigen Jahren stehen an unserer Jährlichen Konferenz die selbständigen Werke emotional oft mehr im Mittelpunkt als unsere Arbeit in den Gemeinden. Das hat viel Unbehagen ausgelöst und zu einem akuten Bedarf nach Klärung der Stellung und der Bedeutung geführt, welche die selbständigen Werke in unserer Kirche haben. Der Kirchenvorstand hat sich der rechtlichen und finanziellen Seite der Frage angenommen und orientiert in seinem Bericht darüber. An der Konferenz des letzten Jahres wurde der Ruf laut, die Frage nicht nur „technisch“ anzugehen, sondern auch „geistlich“. Welche Funktion haben die selbständigen Werke in unserer Kirche? Brauchen wir sie noch? Sollten wir uns nicht auf das „Kerngeschäft“ zurückziehen, auf die Arbeit in den Gemeinden? Das waren einige der aufgebrochenen Fragen.

Hier einige Gedanken zur Bedeutung der selbständigen Werke in unserer Kirche:

Die Kirche hat zur Erfüllung ihres Auftrages verschiedene Instrumente zur Verfügung. In erster Linie sind dies die Gemeinden. Sie werden  ergänzt durch die Werke. Die selbständigen Werke sind nicht Überbau der Gemeinden, sondern „Fronterweiterung“. Sie bieten andere Möglichkeiten des Zeugnisses und des Dienstes, zusätzlich zu den Möglichkeiten der Gemeinden. Die Kirche braucht zwar nicht die Werke an sich, aber sie braucht alle nur möglichen Instrumente, die helfen, den Auftrag zu leben, in möglichst grosser Anzahl und Vielfalt.

Die Frage, die sich stellt, ist nicht die, ob wir die Werke brauchen oder nicht, sondern die, ob sie an der Erfüllung unseres Auftrages in Wort und Dienst beteiligt sind. Wenn dies zutrifft, stellt sich die weitere Frage, ob wir die Lasten tragen können und wollen, die sie oft mit sich bringen. Für was haben wir die Kraft, „es hinaus zu führen“, für was nicht? Die Werke sind aus Initiative von visionären, gläubigen Menschen entstanden. Es waren Initiativen, welche die Lebendigkeit der Kirche gezeigt haben und zukunftsweisend waren, so, wie wir es uns für heute auch wünschen. Wo heute Lasten daraus entstanden sind, können wir unsere Lehren daraus ziehen, und möglichst sorgfältig vorgehen, wenn wir etwas Mutiges tun. Aber der Verantwortung für die Folgen von mutigen Schritten aus früheren Zeiten können wir uns nicht einfach entziehen.

Als Kriterien dafür, ob ein Werk ein für die Erfüllung des Auftrages nützliches Instrument sein kann  nennen wir vier Gedanken, die in den durch den "runden Tisch" bereits begonnen Gesprächen weiter entfaltet werden:

·       Die gute Gelegenheit, die offene Tür dafür, ein Instrument aufzubauen und damit ein Stück des Auftrages wirkungsvoll leben zu können. Es ist eine Aufgabe der Trägerschaften der selbständigen Werke, wach zu sein, neue Möglichkeiten zu entdecken und zu nützen, bisheriges aber auch zu überprüfen und wenn nötig und möglich zu verändern oder ganz loszulassen.

·       Das Vorhandensein der nötigen personellen Kapazität in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht (Fachkompetenz, Motivation). Auf der einen Seite stossen wir hier an Grenzen, auf der anderen Seite ist hier vielleicht mehr möglich, als wir denken. Wo eine Aufgabe und eine Vision vorhanden sind, setzt das immer auch Kräfte frei, die sonst nicht da wären!

·       Die finanzielle Tragbarkeit. Sind genügend finanzielle Mittel da, ohne dass die Gesamtheit der der Kirche zur Verfügung stehenden Mittel übermässig strapaziert wird? Auch hier kann die gleiche Beobachtung gemacht werden wie in Bezug auf die personellen Kräfte: Wir stossen deutlich an unsere Grenzen. Wo eine Aufgabe und eine Vision vorhanden ist, ist das aber nicht nur ein Kostenfaktor, sondern oft auch ein Faktor, der finanzielle Mittel freisetzt, die sonst nicht da wären.

·       Die gute Einordnung in die gesamtkirchliche Strategie.

Wird die Gemeindearbeit unterstützt und/oder ergänzt?

Ist der gute Bezug zu den anderen Werken der Kirche da?

Entspricht es der Finanzstrategie der Kirche, das heisst der Entscheidung der Kirche, wo die zur Verfügung stehenden flüssigen Mittel (Kirchenbeiträge, Sammelgelder) und das Investitionskapital (Liegenschaften, Gelder aus Verkäufen) schwerpunktmässig eingesetzt werden sollen?

 

3.3    Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in unseren Gemeinden

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat durch die Genehmigung des neuen Unterweisungskonzeptes vor drei Jahren neue Impulse erhalten. In einigen Gemeinden sind die Impulse dankbar aufgenommen worden und sie beginnen Frucht zu tragen. Andere Gemeinden stehen den neuen Impulsen reserviert oder hilflos gegenüber.

Wir halten fest, was dem Kabinett im Blick auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wichtig ist:

·       Wir begrüssen die Gesamtschau für die Unterweisung in den Gemeinden. In allen Altersstufen geschieht eine in gleichem Masse wichtige Einführung in den Glauben und die Ermutigung dazu.

·       Wir begrüssen es, dass die traditionelle Konzentration der Unterweisung auf die Altersstufe der 12 – 16 –jährigen durchbrochen ist. Die Begleitung der Teenager in diesem Alter bedarf aber neuer Aufmerksamkeit. Mit ein bisschen „fun“ und „action“ ist es noch nicht getan. Die Teenager sollen auch ernst genommen werden in ihrer neu sich bildenden Fähigkeit, sich zu entscheiden und sich zu engagieren.

·       Wir begrüssen den Einbezug der in den Gemeinden vorhandenen für die Unterweisung nutzbaren Kräfte. Viele Gemeindeglieder bringen gute menschliche und fachliche Begabungen mit. Der Schulung der in der Unterweisung Mitarbeitenden muss aber grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wer mit Kindern und Jugendlichen unterwegs ist, soll gewissen Standards genügen oder bereit sein, sie sich anzueignen, zur eigenen Bereicherung und zur Verbesserung der Qualität des Dienstes.

·       Wir begrüssen es, dass die Verantwortung für die Unterweisung nicht mehr einfach den Pfarrerinnen und Pfarrern überlassen wird, sondern breiter abgestützt ist in den Gemeinden. Es darf aber nicht das andere Extrem eintreffen, dass die Pfarrerinnen und Pfarrer nichts mehr zu tun haben mit der Unterweisung. Pfarrerinnen und Pfarrer haben mit den Gemeinden zusammen neu den Platz zu finden, an dem die spezifischen Gaben der ausgebildeten und vollzeitlich eingesetzten Theologen zum Tragen kommen. Pfarrerinnen und Pfarrer sind verpflichtet, zwei Dinge in das Unterweisungsgeschehen einzubringen: Einerseits die theologische Fachkompetenz und das Bibelwissen, andererseits die Begegnung mit den Kindern und Jugendlichen als Mitmenschen und Christen, das Zeugnis von den eigenen Glaubenserfahrungen und die Ermutigung zum Glauben.

·       Wir begrüssen die grundsätzliche und noch viel zu wenig beachtete missionarische Offenheit des neuen Unterweisungskonzeptes. Es ist eine ausgezeichnete Grundlage für eine nach aussen gerichtete Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wenn eine Gemeinde sagt: „Das Unterweisungskonzept betrifft uns kaum. Wir haben fast keine kircheneigenen Kinder mehr“, dann hat sie wesentliches nicht begriffen. Wir ermutigen die Gemeinden, ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen grundsätzlich für Aussenstehende zu entwickeln, und die eigenen Kinder können sich dann anschliessen, und nicht umgekehrt.

 

3.4    Neue Gemeinden. Neue Gefässe für unsere Arbeit

Der an der letzten Jährlichen Konferenz gestellte Antrag, 10% der personellen Kräfte in der Neuland-Mission einzusetzen, hat engagierte Diskussionen ausgelöst. Der Wunsch ist da, dass Neues entstehen kann , aber selbst etwas dafür zu tun, dafür fehlt oft die Kraft und das Wissen wie.

Als Kabinett erkennen wir den Wert von neuen Gefässen für die missionarische Arbeit. Es ist oft nur mit neuen Gefässen möglich, neue Menschen zu erreichen. Bei den schon länger bestehenden haben interessierte Aussenstehende kaum Anlass, sie zu nützen, nachdem sie jahrelang unbeachtet blieben. Bei etwas neu entstehendem kann man aber gut einmal hinein schauen. Bei schon länger bestehenden Gefässen ist der Raum längst von denen besetzt, die seit jeher dazugehören. Bei neuen Gefässen ist aber viel Raum da, der darauf wartet, eingenommen zu werden.

Wir empfehlen den Gemeinden, intensiv nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, neue Gefässe der Arbeit zu bilden, die ganz für neue Menschen bestimmt sind. Das kann eine Gemeinde sein an einem Ort, wo ein paar Mitglieder wohnen, das kann ein bedürfnisorientiertes Angebot sein für Interessengruppen oder eine Arbeit unter bestimmten Bevölkerungsgruppen, zu denen durch einzelne Menschen oder bestimmte Konstellationen ein Bezugspunkt vorhanden ist.

Wir fordern alle Gemeinden auf, im kommenden Konferenzjahr ein Projekt für mindestens ein neues Arbeitsgefäss zu entwickeln, das ganz an Aussenstehenden orientiert ist und das im folgenden Konferenzjahr realisiert werden kann.

In Bezug auf die Arbeitsgruppe „Neue Gemeinden“ sind wir gespannt, was für Impulse sie entfalten kann. Die Gemeinden erinnern wir daran, dass „Neuland-Mission“ nicht an eine spezialisierte Gruppe delegiert werden kann. Sie muss durch die bestehenden Gemeinden geschehen und mit dem dort dafür vorhandenen reichen Potential an Kräften und Möglichkeiten. Letztlich sind alle Gemeinden und alle Pfarrerinnen und Pfarrer auf das Feld des „neuen Landes“ gestellt. Wir begrüssen es, wenn die Arbeitsgruppe „Neue Gemeinden“ motiviert und hilft, sich auf diesem Feld aktiv zu bewegen.

 

3.5  Freiwillige Mitarbeit. Grenzen der Kräfte

An der letztjährigen Konferenz nahm das Thema der freiwilligen Mitarbeit wichtigen Raum ein. Da und dort wurden die Impulse weiter bearbeitet und für die Gemeindearbeit fruchtbar gemacht.

Der Blick in die Gemeinden zeigt, dass ein erfreuliches Potential an freiwillig tätigen Kräften vorhanden ist. Die Bereitschaft zum Engagement ist beeindruckend und gibt zu grosser Dankbarkeit Anlass.

Gleichzeitig werden in nicht wenigen Gemeinden die Grenzen der Kräfte schmerzlich spürbar. Bei den Wahlen in den Gemeinden in diesem Frühjahr ist es nicht immer leicht, die Nachfolgerinnen oder Nachfolger für Zurücktretende zu finden. Die Wahlvorschlagsausschüsse hatten keine einfache Aufgabe, Viele Anfragen mussten gestartet und viele Absagen mussten entgegen genommen werden. Vereinzelt müssen Gemeinden mit Vakanzen in wichtigen Aufgaben leben, zum Beispiel beim Amt des Bezirkslaienführers.

Wo liegen da die Hintergründe? Liegt es daran, dass die Erwartungen und Ansprüche auch an die freiwillig Mitarbeitenden gestiegen sind? Sind die Erwartungen so vielfältig und oft gegensätzlich geworden, dass jeder, der sich ihnen stellt, zwischen die Fronten geraten muss? Oder liegt es einfach daran, dass auch in Bezug auf die freiwillige Tätigkeit alles vielschichtiger geworden ist und damit anspruchsvoller. Es braucht überall mehr Kommunikation und mehr Partizipation. Die Professionalität, an die man sich von der Berufswelt her gewohnt ist, wird automatisch auch in der Gemeinde von den freiwillig Mitarbeitenden erwartet. Und um all diesen Anforderungen zu genügen reicht oft weder die Zeit noch die Kraft.

Vielleicht sollten wir in Bezug auf die Ansprüche aneinander wieder gnädiger werden und einander mehr ermutigen, mit dem Vorhandenen an Möglichkeiten zu leben, auch wenn es lückenhaft ist. Wenn wir die Bibel ernst nehmen, müssen wir davon ausgehen, dass Gott da, wo wir schwach sind, ebenso gut oder sogar besser wirken kann wie da, wo wir stark sind.

Wir sind gespannt, wie die Situation im Blick auf die Wahlen in der Gesamtkirche in einem Jahr aussehen wird.

 

4.        Für was brennt unser Herz?

Nach all diesen Gedanken über unser konkretes unterwegs sein als Gemeinden und Kirche richten wir unsere Aufmerksamkeit auf eine zentrale und grundlegende Frage:

Für was brennt unser Herz?

Die Frage mag antiquiert tönen, aber sie ist für unsere Existenz von entscheidender Bedeutung. Eine Kirche lebt dann, wenn die Menschen in ihr bewegt sind von etwas und für etwas, wenn etwas brennt in ihnen, wenn sie angezündet sind und angesteckt von etwas, wenn eine Begeisterung lebt in ihnen. Eine gemeinsame Begeisterung für eine Sache verbindet sie, gibt Ausstrahlung, macht anziehend.

Ist eine solche Begeisterung da? Brennt unser Herz? Oder gibt es uns einfach und wir versuchen, unsere Existenz möglichst gut zu erhalten.

Und wenn wir in unserem Inneren bewegt sind: Von was und für was sind wir bewegt? Welcher Sache leben wir?

Bewegt uns das Anliegen, unsere internen Fragen und Probleme endlich lösen zu können und werden unsere Kräfte davon absorbiert?

Bewegt uns das Anliegen, dass wir unsere Ideen und unsere Vorstellungen durchbringen können, vielleicht sogar dass wir uns durch unsere Erfolge einen Namen machen und uns Ansehen oder mindestens Selbstbestätigung verschaffen können?

Wir laden alle ein, die sich der Evangelisch-methodistischen Kirche in unserem Konferenzgebiet zugehörig fühlen, sich für die eine Sache zu begeistern:

Für Gottes Zukunft, für sein Wirken, für sein Kommen.

Das, wofür wir uns einsetzten und wofür wir leben, ist schon da.

Es ist Gott, der seine Erde und seine Geschöpfe liebt, wie er es in Christus hat konkret werden lassen.

Es ist Gott, der seiner Welt und den Menschen heilsame Ordnungen für die Gestaltung des Lebens und für das Zusammenleben gegeben hat, wie es Christus vorgelebt hat.

Es ist Gott, der allem Vorläufigen und Unvollkommenen Existenzberechtigung zuspricht und kein vernichtendes Urteil darüber spricht, wie wir im Sterben Christi den Zuspruch dafür haben.

Es ist Gott, der allem Begrenzten und Endlichen eine Perspektive und Zukunft gibt, wie sie in der Auferstehung Christi angefangen hat.

Dieser Gott ist da. Er ist mit uns. In der Kraft des Heiligen Geistes ist dieser Gott ganz präsent, jetzt bei uns.

Für diesen Gott der da ist, brennen wir. Für das, was er uns Menschen gibt. Für das was er unter Menschen und an Menschen schafft.

Durch diesen Gott sind wir seine Kirche. Wir werden durch den Bezug auf ihn und durch das Vertrauen zu ihm immer neu Kirche, bis einmal alles zur Vollendung kommt.

Er macht! Er macht neu! Er macht alles neu! Das sehen wir. Dafür begeistern wir uns.

 

5.        Dank

Wir danken Gott für allen Reichtum, den er in unsere Dienstgemeinschaft gelegt hat.

Wir danken allen Schwestern und Brüder der Dienstgemeinschaft und allen freiwillig Mitarbeitenden für die Bereitschaft, sich mit ihren Gaben, mit ihrer Zeit und mit viel Liebe für die Sache Gottes und die Kirche einzusetzen. Wir danken für allen Durchhaltewillen in belasteten Zeiten und wenn Grenzen der eigenen Möglichkeiten und der Möglichkeiten anderer sichtbar werden.

Wir danken für alle Begegnungen, die uns mit den Mitarbeitenden unserer Kirche geschenkt werden und für alle Offenheit, die wir dabei erfahren. Wir danken für alles Mittragen an den Aufgaben des Kabinetts und für alle Gebete, mit denen wir begleitet werden.

Gottes Kraft und Segen sei über uns allen.

Urs Eschbach

Hanna und Walter Wilhelm

Theo Rickenbacher


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