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Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher an die JK 2002

 

0) Einleitung:

1) Wir knüpfen am Thema der JK an:

2) Wir nehmen Teile der heutigen Befindlichkeit der Gesellschaft und des Umfeldes unserer Kirche wahr:

3) Wir beschreiben zwei Möglichkeiten, wie unsere Kirche auf dieses Umfeld reagieren kann:

4) Was heisst das für uns als  Kirche? 

4.a) Christliche Existenz ist eine Existenz, die der Welt dient.

4.b) Christliche Existenz ist eine Existenz, die sich aus dem Dienst Gottes an uns nährt.

5) Das Kerngeschäft der Kirche: Ihr Grundauftrag und die spezifisch methodistische Ausprägung:

6) Unsere Überzeugungen und unsere Grundwerte, die uns in der Umsetzung dieses Auftrags prägen:

7) Strategie, mit der wir den Grundauftrag (Ziele!) angehen und umsetzen wollen:

8) Konzept, mit der wir den Grundauftrag (die Ziele) umsetzen wollen:

8.1) Konkret heisst das für unsere Arbeit als Kabinett:

8.2) Konkret heisst das nach unserer Auffassung...

a) ... für eure Arbeit als Gemeinden

b) ... für eure Arbeit als Pfarrer/innen und Gemeindehelfer/innen:

c) ... für eure Arbeit als Laien:

d) ... für euch als selbständige Werke :

9) Erreichen wir die Ziele?

a) Fragezeichen haben wir, wo ...

b) Mutmachende Ansätze entdecken wir dort, wo...

c) 4 Beispiele

d)

10 Dank

 

 

0) Einleitung:

Wir wollen als JK CH/F eine Kirche sein, die ihr Leben in der Nachfolge von Jesus Christus gestaltet. Wir verstehen diese Nachfolge als Dienst Gottes an den Menschen, der Gesellschaft und der Welt. Wir erhalten die Motivation dazu aus der eigenen Begegnung mit dem Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Er befreit und mahnt zu wahrem Menschsein und zu einem heilvollen Leben in Friede und Gerechtigkeit.

 

Dieser Gedanke zu unserer Identität als EMK und JK CH/F ist unseres Erachtens der zentrale Aspekt dieses DV-Berichtes. Aus ihm leiten wir viele andere konkreten Gedankengänge ab. Wir stellen diesen Gedanken und Ansatz deshalb thesenartig an den Beginn unseres Berichtes.

Dieser theologische Ansatz ist zugleich der Ausgangspunkt dafür, wie wir uns als Kirche verstehen und wie wir als Kirche leben.

Wir zeichnen im Folgenden den Weg nach, der uns zu diesem Ansatz geführt hat, indem wir vom Thema der JK (Pkt 1) einen Bogen schlagen zur Beobachtung, wie wir das Umfeld der Kirche wahrnehmen (Pkt 2) und wie wir als Kirche darauf reagieren können (Pkt 3). Daraus folgen Aussagen zu unserer Identität als EMK (Pkt 4), Aussagen zu unserem Auftrag (Pkt 5) und zu unseren Grundwerten, die uns in der Umsetzung des Auftrags prägen (Pkt 6), sowie Aussagen zur Strategie (Pkt 7) und der Konzeption (Pkt 8), mit der wir den Auftrag umsetzen wollen.

Der diesjährige Bericht unternimmt damit im Gegensatz zu den Berichten der letzten Jahre keine Tiefenbohrung bei einem oder zwei Aspekten unserer Arbeit, sondern will die Grundlagen unserer Arbeit und unseres Auftrags darstellen und zusammenfassen. Er greift darin jedoch auch auf die Themen der letztjährigen Berichte zurück und bündelt sie unter dem Gesamtaspekt des diesjährigen Berichtes.

 

1) Wir knüpfen am Thema der JK an:

„Source – Ressources – Ressourcement / eine Quelle - viele Brunnen“

Das Thema der Konferenz greift unter anderem zurück auf die Verse 2 und 3 von Jesaja 12:  „Zu der Zeit wirst du sagen... Siehe, Gott ist mein Heil (oder: meine Hilfe / Rettung). Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils (oder: der Hilfe / Rettung).“ Diese im Jesajabuch gleichsam als Einschub zu verstehenden Sätze nehmen Bezug auf die vorhergehenden Kapitel 1-11, in denen Jesaja von Gericht und von neuem Erbarmen Gottes redet. Vor allem das Kapitel 11 mit seiner Vision vom Messias und dessen Friedensreich ist im Blickfeld, wenn danach das Kapitel 12 mit der Terminierung einsetzt:„Zu der Zeit wirst du sagen“.

Das danach ausgesprochene Bekenntnis und die darin enthaltede Zusage greifen also weit über unsere Zeit voraus – zur Zeit des allumfassenden Heils Gottes am Ende der Zeiten. Interessant ist, dass Jesaja dabei schon und gerade in der Gegenwart mit der Bedeutung seines eigenen Namens darauf hinweist, was seine Botschaft für die Gegenwart und die Zukunft ist: Ein Mahnruf: „Hilfe / Heil / Rettung ist bei Gott“, und nicht anderswo. Und: Seine Botschaft an seine Hörerinnen und Hörer geht noch weiter: Wenn ihr eure Hilfe anderswo sucht, führt es ins Gericht. (vgl. Jes. 7,9: Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.) 

 

2) Wir nehmen Teile der heutigen Befindlichkeit der Gesellschaft und des Umfeldes unserer Kirche wahr:

Verschiedene Ereignisse unseres Weltgeschehens während dem letzten Konferenzjahr scheinen gleichsam zum gegenwärtigen Hintergrund dieses Mahnrufs von Jesaja werden zu können, der selber in längst vergangenen Zeiten aufgetreten ist.  Wir denken dabei an die Terroranschläge vom 11.September 2001 in Amerika mitsamt den weltweiten Folgeereignissen, an die Entwicklung in Israel und Palästina, das Attentat im Zuger Kantonsparlament, das Brandinferno im Gotthard und an die wirtschaftlichen Krisen, die unser Land zu einem Teil und die weite Welt zu grösseren Teilen erschüttern (Stichwort Swissair und Argentinien).

Der stichwortartige Anschlussgedanke an ein Gericht, wie es bei Jesaja ausgesprochen wird, ein Gericht in das wir uns selber hineinmanövrieren und das als Folge unserer Handlungen über uns kommt, kommt zumindest da auf wo wir feststellen:

- Das friedliche Zusammenleben der Kulturen und Religionen lässt sich anscheinend
  nicht vom Thema der Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich – Nord und Süd
  trennen.

- Die Mahnung nach globaler Gerechtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft statt
  einseitigem Börsenspektakel und wirtschaftlichem Protektionismus der Reichen
  klopft an unsere Ohren, Verstand und Herzen.

- Das ernste und echte Gespräch mit der Religion Islam und den Muslimen steht
  weiterhin bevor und dringend an, statt dass wir aus der Angst vor dem
  Fundamentalismus selber anderen gegenüber zu Fundamentalisten werden.

- Und: Die Gottesfrage und die religiöse Frage „wer trägt das Leben?“ stellt sich ganz
  neu mitten in unserer säkularisierten westlichen Welt mit ihrer bisher dominanten
  Freizeit- und Spasskultur.

Welche Quelle und welche Brunnen geben hilfreiches Wasser für den Umgang mit diesen Fragen?

 

3) Wir beschreiben zwei Möglichkeiten, wie unsere Kirche auf dieses Umfeld reagieren kann:

a) Als Kirche könnten wir in der allgemeinen Verunsicherung aus dem Brunnen der dogmatisch unverrückbaren Sicherheit schöpfen und quasi als Einschübe, die das Weltgeschehen von heute interpretieren, rechthaberisch verschiedene biblische Danklieder herbeiziehen (im Sinne von: „einmal wird ein für alle Mal gelten „der Herr ist das Heil und die Rettung; der Herr hat geholfen“ – er sitzt auf dem Thron und die bisherigen Schreckensereignisse sind Zeichen dessen, dass es so kommen muss – es steht ja schliesslich geschrieben...“)

Damit nähmen wir Abstand von der Welt.  So eine Kirche ist entrückt, weltfremd und zieht sich auf fromme Interpretationen zur Weltgeschichte zurück. Das ist für die Welt (und die Kirche!) nicht hilfreich.

b) Als Kirche könnten wir aber auch Konsequenzen ziehen aus der Art und Weise, wie „Gott geholfen und gerettet hat“ – indem er mitten in der Welt mit Jesus Christus Mensch geworden ist. Dieser hat sein Leben in der engen Verbindung mit Gott gegründet und als Dienst an der Welt und den Menschen verstanden.

Er lädt uns in die konsequente Nachfolge dieses Lebens und Dienstes ein: Einem Dienst am Reich Gottes in seiner geliebten Welt und einem Dienst am Leib Christi – seiner Gemeinde und Kirche; einem Dienst, der sich aus der Glaubens- und Lebensbeziehung zu ihm nährt. Und: Diese Nachfolge setzt sich nicht mit Gewalt durch – ihr einziges Mittel ist die dienende Hingabe und Liebe gegenüber Gott und seiner Welt.

Das Selbstverständnis von Jesus spricht dabei für sich selbst: Diakon ist der einzige Titel, den sich Jesus selbst gegeben hat (vgl. LK 22,27: Ich bin unter euch als ein Diener – vgl. auch Mt 20,28)

Wen er in die Nachfolge ruft, ruft er zu eben diesem Dienst an den Menschen und an der Welt.
Dieser Dienst ist eine Selbstverständlichkeit und ergibt sich wie von selbst. In Mt 25 wird arglos nach dem „Dienst“ gefragt: Wann haben wir dich nackt gesehen und dich gekleidet? (hungrig, durstig, fremd, krank, im Gefängnis...) Diakonie erfolgt demnach nicht mit berechnender Absicht (im Sinne von „damit wächst dann unsere Gemeinde“) sie ist vielmehr selbstverständlich und uneigennützig und hat einzig die Absicht, die Not des Nächsten zu lindern und zu wenden: sie ist not-wendig. Nicht das, was wir tun, macht dann die spezifisch christliche Diakonie aus  (christliche Diakonie ist nicht besser oder anders als „weltliche“ Diakonie (des Sozialstaates); sie ist einfach die selbstverständliche Notwendigkeit am Nächsten. Vielmehr wird zum Kennzeichen der christlichen Diakonie, aus welcher Motivation heraus wir etwas tun: Die Motivation erfolgt aufgrund der an der eigenen Person erfahrenen Zuwendung (Diakonie) Gottes. Aufgrund dieses im Glauben gegebenen Sinn- und Hoffnungshorizontes tue ich das, was im Leben meines Nächsten einfach not-wendig(wendend) ist.

Paolo Ricca – Professor für Kirchengeschichte an der Facolta Valdese di Teologia in Rom - spricht sich in seinem Artikel „Das Herz des Christentums“ wie folgt aus:  „Diakonie ist nicht einfach ein Teil der Kirche, sondern Kirche ist ein Teil der Diakonie Gottes.“ (vgl. „annex“ – Beilage zur Reformierten Presse No 39/2001 zum Thema „Diakonie“)

 

4) Was heisst das für uns als  Kirche?

4.a) Christliche Existenz ist eine Existenz, die der Welt dient.

Was heisst es, wenn kerygma (Verkündigung), martyria (Zeugnis), leiturgia (Gottesdienst) und koinonia (Gemeinschaft) nicht gleichwertige Teile des christlichen Lebens sind wie die diakonia (Diakonie), sondern aus ihr herausfliessen?: Verkündigung, Zeugnis, Gottesdienst und Gemeinschaft sind damit nicht Selbstzweck, sondern Teile der umfassenden Diakonie Gottes, Teile der Nachfolge Christi – für die Welt und an der Welt!
Könnte die Diakonie demnach die „Quelle“ sein, aus der wir leben? - und die Verkündigung, das Zeugnis, der Gottesdienst und die Gemeinschaft die jeweiligen „Brunnen“, mit denen wir den Durst der Welt stillen – und ihr Hilfe und Heil anbieten und in ihr Frieden und Gerechtigkeit umsetzen helfen?

-          Verkündigung als Dienst an anderen Menschen heisst dann, ihnen das Evangelium Gottes so zusprechen, dass sie den Bezug zu Gott aufnehmen können und selber in ein Leben einwilligen, das sich in der Beziehung zu Jesus Christus gründet

-          Zeugnis als Dienst an anderen Menschen heisst: Ich äussere mein Bekenntnis  dass mein Leben Sinn macht, weil es sich in Gott gründet. Und diese Äusserung ist den Anderen ein Anstoss und eine Hilfe, damit auch sie sich überlegen, worauf sie ihr Leben gründen.

-          Gottesdienst als Dienst an anderen Menschen heisst, ihnen Gefässe anbieten, die sie in eine gelebte Gottesbeziehung einführen und ihnen Anstösse gibt, ihr Leben in dieser Gottesbeziehung zu gründen und es aus ihr zu gestalten.

-          Gemeinschaft als Dienst an anderen Menschen heisst, der Vereinzelung und Privatisierung unserer Zeit ein Gefäss entgegenzusetzen, das Menschen zusammenführt und in einem tragfähigen Netz von Beziehungen verbindet.

-          Diakonie als Dienst an anderen Menschen heisst, Gottes umfassenden Dienst am Menschen aufzunehmen und ihn anderen gegenüber so zu zu leben, dass ihr Leben möglich wird als ein Leben in Würde, mit Sinn, in Friede und Gerechtigkeit, mit täglichem Brot.

Kirche ist also nicht dazu da, um sich selbst zu erhalten, oder allein um Gott zu loben und zu preisen, sondern um der Welt in der Nachfolge Christi zu dienen.

Was für eine Kirche braucht die Welt? Eine Kirche, die Gottes Heil und Hilfe als Dienst in Wort und Tat anderen zu lebt; eine Kirche, die der Welt dient und nicht sich selber pflegt.

Es geht darum, nicht Richtigkeiten des Glaubens (ortho-doxie) und abgehobene Deutungen zum Weltgeschehen in die Welt zu posaunen, sondern Richtigkeiten der Glaubenspraxis (ortho – praxie) zu l(i)eben.

Es geht dabei um eine selbstvergessene Hingabe, statt um einen sich selbst verwirklichenden Einsatz, der sich entweder aus der Angst nährt, zu kurz zu kommen oder aus der Sucht, sich zu profilieren.

Daraus folgt: (ein Pfarrer an einer BV)  „Ich möchte nicht wesentlich mehr tun, sondern mehr Wesentliches tun“

Unser Leben als Kirche hat sich danach auszurichten, ob wir Wesentliches tun –  aus der Verbindung zu Gott– aus der Nachfolge Christi - im selbstvergessenen Dienst an der Welt.

4.b) Christliche Existenz ist eine Existenz, die sich aus dem Dienst Gottes an uns nährt.

Um sich selbst vergessen zu können, muss man zuvor jedoch selber gefunden worden sein. Wenn ein Kind sich selber vergisst und versunken sich an eine Tätigkeit hingibt, ist das ein Zeichen, dass es sich nicht um seine Identität sorgen muss. Es kann sich vielmehr an diese Tätigkeit verlieren, gerade weil für seine eigentliche Identität gesorgt ist. Es ist „gefunden worden“, aufgehoben und geborgen in einem Netz von tragenden Beziehungen und Vertrauen. Genauso geht es bei der christlichen Existenz um eine Selbstwerdung, die sich in der Identität gründet, ein Kind Gottes zu sein. Diese Verbindung und Identität gründet mich in den Ansprüchen und Widersprüchen des Lebens. Und diese Identität, die aus der Ver-Bindung zu Christus wächst, setzt mich frei, losgelöst von anderen Ansprüchen und Bindungen leben zu können. Nur wer sich so gründet und Wurzeln schlägt, kann wachsen und Früchte gedeihen lassen, die andere nähren. Darum gilt: Wer diakonisch tätig ist, hat vorher selber die Diakonie Gottes an sich erlebt. Ohne diese Erfahrung und Haltung wird der Dienst und die Hingabe an die Menschen in eine Aufopferung umschlagen, die einen ausbrennen lässt oder der Dienst am Nächsten steht in der Gefahr zu eigenen Zwecken missbraucht zu werden.

Das Thema der JK weist uns darauf hin: Die Quelle („source“) , die unseren eigenen Durst stillt, ist bei Gott. Jesaja sagt: „Hilfe, Heil und Rettung ist bei Gott“. Jesus selbst sagt es so: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5) So wie er aus der engen Verbindung zu Gott gelebt hat lädt er uns ein, aus der engen Verbindung mit ihm heraus zu leben.

Das französische Wort „ressourcement“ des Konferenzthemas meint: Zu den eigenen Quellen zuückkehren – seine Wurzeln finden und von daher zu einem neuen Gleichgewicht finden. Das Wort selber lässt sich am ehesten mit dem Wort „Labung“ ins Deutsche übersetzen. „Labung“ meint, dass Menschen sich nähren und stärken können. Die verschiedensten Arten des „geistlichen Lebens“ und die „Gnadenmittel“ bieten uns Formen an, durch die wir diese Nahrung und Stärkung erhalten, die aus der Verbindung mit Christus herausfliessen.

Wichtig ist: In allem bleiben diese Formen der Spiritualität mehr als eine „Kuh, die wir melken können“. Sie sind darum nicht Mittel, mit denen wir über Gott verfügen und uns geistlich mästen, sondern Wege, die unsere Identität in Christus gründen, festigen und pflegen.

Warum reden wir von der Quelle Gottes, aus der unser Leben fliesst und an der wir uns laben können erst nach dem Thema unseres Dienstes an der Welt und den Menschen?

Von der Theologie her ist die Reihenfolge klar umgekehrt.

Wir betonen mit der hier gewählten Reihenfolge einfach den Aspekt des Dienstes an der Welt, weil wir heute eine Tendenz und Gefahr beobachten, dass man meinen könnte, die Spiritualität  sei nur dazu da, einen selbst zu erfüllen. Wo die Spiritualität jedoch nicht ausfliesst ins Leben des Alltags mit seinen Begegnungen, Erfahrungen und Nöten bleibt die erfüllendste Gottesbegegnung „tönernes Erz und eine klingende Schelle“.

 

Für unsere Identität als Kirche halten wir fest:

Wir wollen als JK CH/F eine Kirche sein, die ihr Leben in der Nachfolge von Jesus Christus gestaltet. Wir verstehen diese Nachfolge als Dienst Gottes an den Menschen, der Gesellschaft und der Welt. Wir erhalten die Motivation dazu aus der eigenen Begegnung mit dem Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Er befreit und mahnt zu wahrem Menschsein und zu einem heilvollen Leben in Friede und Gerechtigkeit.

 

-          Aufgrund von diesen Überlegungen formulieren wir im Folgenden für unseren weiteren Weg als Kirche

-          Gedanken zum Auftrag der Kirche(n), und wie wir ihn als EMK für uns verstehen.

-          unsere Überzeugung von den Grundwerten, die uns in der Umsetzung dieses Auftrags leiten.

-          die Strategie, mit der wir die Umsetzung des Auftrags angehen.

-          das Konzept, mit dem wir die einzelnen Bereiche des Auftrags umsetzen.

 

5) Das Kerngeschäft der Kirche: Ihr Grundauftrag und die spezifisch methodistische Ausprägung:

Der Grundauftrag der Kirche(n):

-          Menschen zum Glauben an den dreieinigen Gott zu rufen, sie zu Jünger machen und in der Nachfolge Christi anzuleiten.

-          Sie nehmen dabei das Evangelium Gottes in Anspruch, begegnen einander in Liebe, teilen seine Sakramente und Gnadenmittel, stärken die Gemeinschaft des Leibes Christi und gestalten zeichenhaft Reich Gottes (Herrschaft Gottes) in der Welt und für die Welt, indem sie Friede und Gerechtigkeit stärken.

Die Ausprägung dieses Auftrags haben wir im Methodismus immer so verstanden:

Unser Auftrag als EMK:

Wir wollen als EMK CH/F ...

Ø      Seelen retten und (persönliche und soziale) Heiligung über die Lande verbreiten.

Es geht darum, der Welt und den Menschen so zu dienen

-     dass sie in der Beziehung zu Gott ihr tragendes Lebensfundament erfassen

-     dass sie daraus in der Nachfolge sich verändert ins eigene Leben und ins  Leben der Gemeinschaft und Gesellschaft einbringen. („to reform a nation“ sagte Wesley: Die Nachfolge betrifft nicht nur das innere Seelenheil, sondern das äussere Leben der Gesellschaft.)

Ø      den Menschen Gemeinschaftsformen anbieten, in denen sie Nachfolge einüben können und Leib Christi gestalten durch Wort, Sakrament und Gnadenmittel.

Ø      unseren Hunger nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aussprechen; Schritte tun, die zu deren Verwirklichung mithelfen und mit anderen solidarisch teilen lernen.

 

6) Unsere Überzeugungen und unsere Grundwerte, die uns in der Umsetzung dieses Auftrags prägen:

Unsere Überzeugungen und Grundwerte:

Ø  wir sind überzeugt, dass wir in wesentlichen Glaubensfragen um Einheit ringen („essentials“), in allem anderen aber gelten lassen, dass wir verschiedene Meinungen haben („opinions“). Die Kriterien „Schrift, Erfahrung, Tradition und Vernunft“ sind uns dabei eine Hilfe.

Ø  wir sind überzeugt, dass Evangelisation (kerygma / martyria) und Diakonie nicht Alternativen sind, sondern 2 Seiten der gleichen Medaille des Dienstes Gottes an der Welt, die untrennbar zusammengehören.

Ø  wir leben in der Haltung, dass wir eine Kirche für suchende und glaubende Menschen sind.

Ø  wir leben als Kirche mit der Grundhaltung, dass Menschen in ihr aufgrund eines freiwilligen Entschlusses und aufgrund eines persönlichen Bekenntnisses Mitglied werden. Mitgliedschaft betrachten wir als Ausdruck der Verbindlichkeit und Öffentlichkeit des Glaubens, das ein Zeichen setzt gegen unverbindliche und private Innerlichkeit des Glaubens und sich für ein persönliches Engagement im Raum der Gemeinde einsetzt.

Ø  wir leben als Kirche mit der Grundhaltung, dass wir offen sind für Menschen unabhängig von Rasse, Geschlecht, Nationalität, wirtschaftlichen Verhältnissen und Frömmigkeitsformen. Dies gilt insbesondere auch für den Zugang zu unseren kirchlichen Ämtern. So sind z.B. Frauen und Männer dazu berufen, ordinierte Älteste zu werden.

Ø  wir leben als Kirche mit der Grundhaltung, dass wir aus der gegenseitigen Verbindung leben (connexio innerhalb der Jährlichen Konferenz, der Zentralkonferenz und der Generalkonferenz) und in einer Haltung der ökumenischen Offenheit zu anderen Kirchen.

7) Strategie, mit der wir den Grundauftrag (Ziele!) angehen und umsetzen wollen:

Unsere Strategie:

Ø      Die Gemeinde mit ihren Gruppen und Arbeitszweigen ist der Ort, an dem die Erfüllung des Auftrages am deutlichsten in Erscheinung tritt und verwirklicht wird.

Ø      Die selbständigen Werke der Kirche leisten mit ihrem Dienst und Zeugnis ihren Beitrag zur Erfüllung des Auftrags der Kirche.

Ø      Die Menschen des „allgemeinen Priestertums“, in dem einzelne ihre ganze Zeit der Kirche zur Verfügung stellen und andere ihre Zeit als freiwillige Mitarbeiter/innen in die Kirche einbringen, sind die Instrumente und Mittel, auf die wir für die Umsetzung des Auftrags zählen. (Beide bringen ihr ganzes Leben und ihre ganze Zeit in die Reich Gottes Arbeit ein!) Deshalb gilt: Menschen mit ihren von Gott bewegten Herzen, und nicht Programme, Papier, Anlässe und Veranstaltungen sind das Kapital und die Ressourcen unserer Arbeit.

Ø      Wir richten unser Bemühen auf Menschen,

-         die religiös auf der Suche sind und nach dem Sinn und der Aufgabe ihres Lebens fragen.

-         die nach einer Beheimatung suchen.

-         die in Not sind und bieten ihnen unsere Hilfe an.

Für uns als ganze Kirche heisst das:

(Wir beziehen uns im Folgenden auf die DV-Berichte der letzten Jahre – und bündeln hier in Kurzform, was dort ausführlich behandelt ist. - Die Jahreszahlen verweisen auf die entsprechenden Berichte.)

Unsere Motivation:

Ø      Wofür brennt unser Herz? Was bewegt mich im Innersten? Wofür lebe ich? „Für Gottes Zukunft, für sein Wirken, für sein Kommen“ (2000) „Für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit.“

Unser Anliegen:

Ø      Wir fördern die Hingabe an ein Leben in der Nachfolge Christi – ein authentisches Leben, das von liebevollen Beziehungen, Solidarität und Gerechtigkeit geprägt ist.

Unsere Zielgruppen:

Ø      Im Leben als Gemeinde beachten wir die Leitfrage: Welche Gemeinden braucht die Welt? (2001)

Ø       Wir nehmen den heutigen Menschen in seinem Umfeld und mit seinen Anliegen wahr und ernst (2000: Kirche sein in den Fragestellungen der heutigen Gesellschaft) und stärken das, was über die Gemeinde hinaus wirkt indem wir diesen Menschen in Gottesdiensten, Kleingruppen und in der Bildungs- und Beratungsarbeit Raum geben. (1997 haben wir der JK empfohlen, das Ziel zu setzen: „Bis in 4 Jahren soll die Hälfte aller Angebote in unseren Gemeinden konsequent nicht von unseren eigenen Bedürfnissen her entwickelt werden und von unserem kirchlichen Stil geprägt sein. Die Angebote sollen von den Fragen der Menschen unserer Zeit her entwickelt und in den ihnen zugänglichen Formen gestaltet sein." - Dieses Ziel haben wir nicht erreicht. Es hat aber eine Denkrichtung ausgelöst, die immer mehr Fuss fasst und in konkrete Veränderungen hinein führt.)

Ø       Wir betrachten dabei diejenigen Felder und Aspekte unserer Arbeit, die über die Gemeinde hinaus wirken und wir verstärken sie soweit wie möglich. (2000 - Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in unseren Gemeinden - „Neue Gemeinden“ im Sinne von neuen Gefässen für unsere Arbeit, deren Räume nicht einfach schon durch eingespielte Traditionen besetzt sind.)

Unser Verständnis von Leitung:

Ø       Wir haben acht, dass unsere Strukturen und Beauftragungen dazu dienen, dass Leitung und Aufsicht wahrgenommen und ausgeübt wird, damit Ziele gesetzt, umgesetzt, ausgewertet und weiterentwickelt werden (98: Gemeindeleitung: Strukturelle Aspekte / Aspekt der Aufsicht / Arbeit mit Leitbildern und Zielsetzungen in den Gemeinden) 99: Gemeindeleitung: Zusammenspiel von Gremien und Personen)

Ø      Die Kommissionen und Ausschüsse der JK unterstützen und fördern mit ihrer Arbeit die Umsetzung des Auftrags und der Strategie der EMK in den Gemeinden und Werken.

Unsere Mitarbeit als Laien und Pfarrer/innen und Gemeindehelfer/innen:

Ø      Der Aspekt der gabenorientierten freiwilligen Mitarbeit hat ein hohes Gewicht (2000 / vgl. auch den Sonderbericht der KO 5 an die JK 99)

Ø      In der Aufgabe als Pfarrer/in beachten wir die Leitfrage: Welche Pfarrer/innen brauchen die Gemeinden und die Welt? (2001)

Ø      In ihrer Arbeit achten die Pfarrer/innen auf einen sorgfältigen Umgang mit ihren Kräften und Aufgaben (98 / vgl. auch „im Kontext 4- Februar 2002“ Unterstützung durch Stellenbeschreibung / Standort- und Fördergespräche)

 

8) Konzept, mit der wir den Grundauftrag (die Ziele) umsetzen wollen:

8.1) Konkret heisst das für unsere Arbeit als Kabinett:

Ø      Wir stärken Situationen, wo Ansätze zu einer wirksamen Gemeindearbeit des Dienstes an der Welt und an ihren Menschen da sind und wo Ansätze zur Ausweitung dieses Dienstes da sind. (Massnahmen: Mehrfachbesetzungen eines Bezirks / Unterstützung von Bemühungen um „neue Gemeinden“ nach entsprechenden Abklärungsprozessen.)

Ø      Wir begleiten Situationen und führen sie zu einer angemessenen Organisationsform, wo klar ist, dass Gemeinden ihren eigenen Kreis nicht mehr sprengen können und wollen. (Massnahmen: Bezirkszusammenführungen u. Gemeindezusammenführungen. Betreuungsstrukturen einrichten ohne Pfarrer/in vor Ort.) Ziel dieser Massnahmen ist es, Kräfte frei zu bekommen für eine Aufbauarbeit statt sie nur für die Erhaltung des Status quo einzusetzen.

Beendigung der Arbeit des Bezirks Reinach der Evangelisch-methodistischen Kirche
Seit längerer Zeit ist unsere kirchliche Arbeit auf dem Bezirk Reinach kleiner und schwächer geworden. Viele Bemühungen um Unterstützung und Förderung des Dienstes blieben ohne sichtbare Wirkung. Es stellte sich je länger je deutlicher ein Gefühl der Hilflosigkeit und der Resignation ein. Auf dem Hintergrund der kirchlichen Situation im obern Wynental und im Zusammenhang unserer eigenen Beschränkungen der personellen und finanziellen Mittel haben wir im Kabinett beschlossen, die Pfarrstelle in Reinach ab Sommer 2002 nicht mehr zu besetzen. Dies weckte verständlicherweise in Reinach grosse Enttäuschung. Intensive Bemühungen um ein Konzept für die Weiterführung des Bezirkes ohne Pfarrer führten leider nicht zum erwünschten Erfolg. Eine Zusammenlegung der kleinen Gemeinde mit einem Nachbarbezirk trägt der eigentlichen Problematik nicht Rechnung und führt wohl kaum zu einer Belebung des Zeugnisses. Deshalb wird die kirchliche Arbeit des Bezirkes Reinach auf Mitte Jahr 2002 beendet werden. Das kirchliche Mobiliar wird voraussichtlich verkauft werden und die Liegenschaften in Reinach und in Schmiedrued zum Verkauf ausgeschrieben. Den verbleibenden Mitgliedern empfehlen wir, sich auf einen Nachbarbezirk ihrer eigenen Wahl überschreiben zu lassen oder sich einer andern freikirchlichen oder landeskirchlichen Gemeinde am Ort anzuschliessen. Wir bedauern diese Beendigung eines bisherigen Arbeitsfeldes aufrichtig. Wir tun es schweren Herzens, aber auch in der Hoffnung, dadurch Kräfte zu gewinnen für Situationen, in denen Zeichen des Aufbruchs sichtbar sind.

Ø      Wir werden in Absprache mit dem Kirchenvorstand das inhaltliche Anliegen verfolgen, für Aufbauarbeit, die da und dort zusätzliche Personen erfordert, auch die finanziellen Mittel generieren zu können.

8.2) Konkret heisst das nach unserer Auffassung...

a) ... für eure Arbeit als Gemeinden

Ø      dass ihr den Auftrag, der uns als EMK gegeben ist, für euch selber konkret formuliert und plant, mit welcher Strategie und mit welchen Konzepten und Massnahmen ihr ihn umsetzen wollt.

Leitfragen dazu sind:

-          Welche bestehenden Strukturen, Veranstaltungen, Gruppen bieten eine offene Türe in eine andere Zukunft mit inhaltlichen Veränderungen? Was müssen wir beenden und was neu angehen?

-          Welche bestehenden Erfahrungen und Gewohnheiten fördern den zukünftigen Prozess? Was müssen wir beenden und was neu angehen?

Ø      dass ihr los lasst, was dem Auftrag nicht entspricht.

Ø      dass ihr Schritte wagt, die den Auftrag umsetzen.

Ø      dass ihr das „Heilige“ feiert und zur Gestaltung bringt, was das Leben im Alltag trägt.

Ø      dass ihr eine Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde eingeht und bei Projekten mitarbeitet, welche die soziale Not vor Ort angehen.

Ø      dass ihr euch in den politischen und gesellschaftlichen Meinungsprozess vor Ort einmischt und einbringt.

Ø      dass ihr Öffentlichkeitsarbeit leistet, damit der Auftrag der Gemeinden und die Massnahmen, mit denen er umgesetzt wird, auch durch die Medien bekannt wird.

Ø      dass ihr die Mitarbeit der „freiwilligen Mitarbeiter/innen“ und der Pfarrer/innen und Gemeindehelfer/innen würdigt.

b) ... für eure Arbeit als Pfarrer/innen und Gemeindehelfer/innen:

Ø      dass ihr die Kernbereiche eurer Beauftragung mit den Komponenten der geistlichen Ermächtigung, der Fach-, Personal-,  Sozial- und der Methodenkompetenz stärkt und gestaltet.

Ø      dass ihr konkret predigt, so dass die Hörerinnen und Hörer konkrete Anhaltspunkte für ihren Alltag mitnehmen können.

Ø      dass ihr selber an einem Punkt des Dienstes nach aussen wirkt und nicht nur den Status quo der Gemeindearbeit pflegt.

Ø      dass ihr Aufsicht in dem Sinne führt, dass die Arbeit des Bezirks mit den konkreten Zielen und Massnahmen gemäss den Werten des Evangeliums gestaltet wird.

Ø      dass ihr zusammen mit den dafür eingesetzten Personen (BLF, LM, Vorsitz KGD) und Gremien (KGD und V) Leitung wahrnehmt, damit Ziele gefasst, umgesetzt, ausgewertet und weiterentwickelt werden.

Ø      dass ihr Multiplikatoren seid (andere zum Dienst befähigt), nicht Allrounder, die alles selber machen.

c) ... für eure Arbeit als Laien:

Ø      dass ihr die Chance nützt, das eigene Beziehungsgeflecht in Familie, Nachbarschaft, Freundeskreis, Arbeit mit den Anliegen des Evangeliums zu verbinden.

Ø      dass ihr eure freiwillige Mitarbeit nach den Erfordernissen und Erkenntnissen des heutigen psychologischen und soziologischen Wissens gestalten könnt, eure Mitarbeit aber immer als Teil des „allgemeinen Priestertums“ versteht.

Ø      dass ihr verbindlich und verantwortlich einzelne Aufgabenfelder der Gemeindearbeit gestaltet. Ihr sollt dafür von der Gemeinde beauftragt und unterstützt sein und vom Pfarrer/der Pfarrerin den nötigen Freiraum zur Gestaltung der Anliegen erhalten.

Ø      dass ihr euch einsetzen lasst für Beauftragungen wie BLF, LM, Vorsitz KGD und in diesen Funktionen in Zusammenarbeit mit dem Pfarrer/der Pfarrerin euch mitverantwortlich einbringt, damit konkrete Ziele gesetzt, umgesetzt, ausgewertet und weiterentwickelt werden.

Ø      dass ihr die Gemeinde nicht als den Ort betrachtet, der ganz dazu da ist, eure eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Gemeinde ist ein Ort der geistlichen Heimat. Sie ist darüber hinaus aber vor allem dazu da, dass ich in ihr und mit ihr meinen Beitrag zur Umsetzung ihres Auftrags an den Menschen der Welt gebe. Wir erwarten hier Flexibilität, Toleranz und Liebe im Umgang miteinander bezüglich den unterschiedlichen Formen, mit denen einzelne Menschen den Glauben zum Ausdruck bringen und bezüglich der Lokalisierung der einzelnen Angebote des Gemeindelebens (z.B. Gottesdienstzeiten, Orte des Gemeindelebens)

d) ... für euch als selbständige Werke :

Ø      dass ihr eure offene Tür in die Gesellschaft hinein wirkungsvoll gestaltet und sie zu einem Instrument aufbaut, das hilft, den Auftrag und Dienst der Kirche an ihr wirkungsvoll tun zu können.

Ø      dass eure Trägerschaften dabei wach sind, neue Wirkungsfelder zu entdecken, Angebote dafür aufzubauen und zu nützen. Sie überprüfen auch Bisheriges und verändern es wenn nötig und möglich - oder lassen es ganz los.

9) Erreichen wir die Ziele?

a) Fragezeichen haben wir, wo ...

Ø      Besitzstandwahrungsdenken vorherrscht.

Das heisst: Angebote und Anlässe dienen allein der Erhaltung des Status quo. (z.B. Wir haben nun mal ein Haus, also ist die Vorgabe klar, wo und dass wir unser Leben hier leben. Wir meiden es zu fragen, was einer wirksameren Verkündigungstätigkeit dienen würde.)

Ø      immer Sätze gelten wie „Das haben wir noch nie so gemacht“ oder: „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder: „Das geht bei uns nicht“. Das Evangelium lehrt uns andere Werte im Umgang mit Prozessen.

Ø      unsere Kreise für das Leben der Gesellschaft keine Relevanz haben. (Ghettoleben der Gemeinde)

Ø      wir einen Glauben entdecken, der nur eine innere, private, individuelle und moralische Wohlfühl - Angelegenheit ist statt eine Dimension, die alle Aspekte des eigenen Lebens und der menschlichen Existenz umfasst und sich um andere sorgt.

 

b) Mutmachende Ansätze entdecken wir dort, wo...

Ø      die Kirche das „Ewige“ und das „Heilige“ vertritt, nicht einfach das Traditionelle.

Ø      die Synthese der Pole „Fortschritt und Weiterentwicklung“, sowie „Bewahrung“ eine Bewegung ist und keine Lähmung.

Ø      die einzelnen Teile des Gemeindelebens und der Frömmigkeit ihren Bezug zur gemeinsamen Mitte des lebendigen Christus deutlich machen, statt sich in der Frage fest zu bohren, wo die Grenzen und Ränder des Glaubens sind und wer noch dazugehört und wer nicht.

Ø      die gelebte Gnade und Barmherzigkeit Kennzeichen und Realität des alltäglichen Umgangs miteinander ist.

 

c) 4 Beispiele,

die stellvertretend für andere Situationen aus ihrem Bereich bezeugen: Wir erfahren in unserer Kirche, dass Menschen eine tragende Gottesbeziehung eingehen und die Diakonie Gottes erfahren, bezeugen und weitergeben:

1.      Auf der Ebene der Bezirke:

Der Bezirk Birsfelden hat den Leitsatz formuliert: „Wir wollen ein Gemeindebezirk sein, in dem Menschen die Freundlichkeit Gottes erfahren.“

Der missionarisch – diakonische Projektwettbewerb der Kommission für innere Mission und Diakonie (KiM) war dem Bezirk Anlass, viele seiner Angebote noch mehr konsequent darauf auszurichten, dass Menschen, die noch nicht zur Gemeinde gehören, diese Freundlichkeit Gottes erfahren. Der Bezirk schreibt dazu: „Manche Aktivitäten bringen sehr direkt die frohe Botschaft vom freundlichen Gott zur Sprache (Gottesdienste, Bibelabende, Gospelchor), andere wollen das Evangelium eher in der tätigen Nächstenliebe und praktischen Hilfe erfahrbar machen (Schreibstube, Mittagstisch, Bazar), wieder andere dienen vorwiegend der Aufnahme und Gestaltung von Beziehungen zu den unterschiedlichsten Menschen (Multifit, Wandergruppe, Jungschar, Gospelchor, Chrabbelgruppe)“ Nicht alle Angebote entwickeln sich mit gleichem Elan und dem gleichen erhofften Resultat. Aber Früchte der Arbeit und des Dienstes bleiben nicht aus.

2.      Auf der Ebene der Pfarrer/innen und Gemeindehelfer/innen:

Eine Pfarrerin gestaltet ihre Begabung auf der Beziehungsebene.

Menschen nehmen dadurch wahr, dass hier ein offenes Ohr ist und ein Herz, das sie ernst nimmt. Im Besuchsdienst entwickelt sich eine Seelsorge und Sozialarbeit im Bereich von Beziehungs-, Scheidungs- und Ehefragen, im Bereich der Familie, im Umgang mit Nöten aufgrund von Suchtmitteln und im Bereich der Sterbe- und Trauerbegleitung. Die Dimension des barmherzigen Gottes kommt darin zum Tragen. Und Menschen, die sich vorher kaum mehr in der Gemeinde gezeigt haben, beginnen wieder Hoffnung zu schöpfen, dass in diesem Rahmen für sie doch Stärkung und Wegweisung erfahrbar wird.

3.      Auf der Ebene der „freiwilligen Mitarbeiter/innen:

Eine Gemeinde hat beschlossen, regelmässig einen „etwas anderen Gottesdienst“ (Gästegottesdienst) durchzuführen. Ein Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernimmt die Verantwortung für die Vorbereitung, Gestaltung und Durchführung der Gottesdienste. Der Pfarrer ist dabei nur eines der Teammitglieder mit der spezifischen Verantwortung für die Verkündigung. Es ist dem Gottesdienst an zu spüren, dass die Gemeinde diesen Gottesdienst trägt. Menschen beginnen, ihre Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen zu diesem Gottesdienst einzuladen – und sie kommen!

4.      Auf der Ebene der selbständigen Werke:

Das Diakoniewerk Bethanien hat wirtschaftlich schwierige Jahre hinter sich und hat die Erfahrung gemacht, dass Entwicklungen schnell vorangehen. Im Gesundheitswesen sind die Vorgaben des Staates eng, die eigenen Spielräume deshalb klein. Das Anker – Huus (auf das wir als ganze JK CH/F stolz waren) ist aufgrund der neuen Medikamente für Aidskranke heute nicht mehr nötig.  Das Spital, das bisher die meisten Fragen des Diakoniewerkes dominiert hat, wurde eine eigene Aktiengesellschaft. Diese Prozesse sind abgeschlossen. Das Diakoniewerk hat dadurch Luft gewonnen, sich offensiv mit seiner Zukunft zu beschäftigen. Neben dem bestehenden Birke – Huus (einem Haus für Mutter und Kind), das eine soziale Notlage einer spezifischen Schicht unserer Gesellschaft aufnimmt, soll das Augenmerk in Zukunft vermehrt auf weitere Brennpunkte von sozialer Not gerichtet werden. Das Diakoniewerk will diese Fragen aktiv angehen.

 

d)

Wir sind zuversichtlich, dass die Phänomene, von denen diese vier Beispiele berichten in unserer Kirche noch vermehrt Fuss fassen werden.

Wir verschweigen dabei nicht, dass wir auch besorgt sind, ob das im nötigen und gewünschten Mass gelingt.

Wir bitten und danken Gott, der uns zu diesem Dienst befähigt und uns dazu nährt.

Wir ermutigen und danken allen freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, allen Gemeindehelferinnen und Gemeindehelfern sowie allen Pfarrerinnen und Pfarrern, die sich davon bewegen lassen und dafür einsetzen lassen.

 

10 Dank

Wir verabschieden Urs Eschbach als Distriktsvorsteher des Basler Distrikts /district francophone und danken ihm herzlich für seinen Dienst in den damit verbundenen Aufgaben. In eigener Sache danken wir ihm für seine Beiträge in der Arbeits- und Dienstgemeinschaft des Kabinetts, in der wir auch eine freundschaftliche Gemeinschaft gestalten konnten. Wir wünschen ihm Gottes Segen in seiner neuen Aufgabe der gewohnten Arbeit als Gemeindepfarrer.

Wir begrüssen Daniel Nussbaumer als neues Mitglied im Kabinett – als Distriktsvorsteher im district francophone / Basler Distrikt. Wir freuen uns auf die neue Zusammenarbeit mit ihm und wünschen ihm im anstehenden Wechsel Freude und Gottes Segen.

 

Markus Bach, Urs Eschbach, Hanna u. Walter Wilhelm